Wie es begann
Meine Karriere begann nach einem Praktikum mit meinem ersten Job als UX-Designerin. Als frischgebackene Absolventin war ich begeistert, meine Reise in einer großen Designagentur zu beginnen. Ich war mir nicht ganz sicher, was mich erwarten würde, aber ich war bereit zu lernen und herauszufinden, worum es im UX-Design wirklich geht.
Ich hatte keine Ahnung, wie viel es noch zu entdecken gab. Während meines Praktikums konzentrierte ich mich auf Dinge wie Wireframing, Informationsarchitektur und Layout. Doch je mehr Erfahrung ich sammelte, desto mehr begann ich zu verstehen, dass UX nicht nur aus Werkzeugen und Methoden besteht: Es geht darum, die Nutzer zu verstehen. Es geht um Menschen.
Mit der Zeit wurde mir immer klarer, wie wichtig es ist, Vielfalt im Designprozess zu akzeptieren und für alle zu gestalten.
Dann: Mitstreiter finden, mit ihnen zusammenarbeiten und von einander lernen
In den ersten Jahren meiner Karriere hatte ich das Glück, eine Mentorin zu haben, die mir das Thema Barrierefreiheit näherbrachte. Zu dieser Zeit war es noch etwas völlig Neues für mich. 2020 war das Thema Barrierefreiheit in der Design-Community noch nicht so weit verbreitet wie heute.
Aber als ich begann, mich damit zu beschäftigen, erkannte ich das Potenzial – nicht nur, um als Designerin zu wachsen, sondern um einen echten, positiven Einfluss auszuüben.
Zunächst erschien mir Barrierefreiheit wie ein komplexes Thema: Sie besteht aus vielen Richtlinien, technischen Details und Dingen, die ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannte. Doch nach und nach begann ich, die Zusammenhänge zu verstehen. Ich erkannte, dass es bei Barrierefreiheit nicht nur um all diese komplexen Regeln geht, sondern darum, sicherzustellen, dass jeder, unabhängig von seinen Fähigkeiten, die Produkte, die wir gestalten, nutzen und erfahren kann.
Heute denke ich bei jeder neuen Gestaltung oder bei der Überarbeitung eines Designs Barrierefreiheit mit. Sie ist mittlerweile ein fester Bestandteil meines Designprozesses. Ich habe noch viel zu lernen, aber jetzt sehe ich Barrierefreiheit nicht mehr als einen zusätzlichen Schritt, sondern als etwas, das in jeden Schritt des Prozesses integriert werden sollte.
Drei wichtigsten Erkenntnisse aus dem ersten Jahr
- Barrierefreiheit ist Teil der Benutzerfreundlichkeit. Wenn ich vollständig benutzbare Produkte gestalten möchte, muss ich Barrierefreiheit berücksichtigen.
- Nimm nicht an, dass alle das Web auf dieselbe Weise erleben wie du. Etwas so Einfaches wie das Klicken auf einen Button oder das Ansehen eines Videos kann für jemanden, der Assistenztechnologien nutzt, weil er eine visuelle, auditive oder motorische Beeinträchtigung hat, eine völlig andere Erfahrung sein.
- „Simple” Dinge, wie ein Farbkontrast können Barrierefreiheit entweder ermöglichen oder Nutzung komplett verhindern. Was wie ein kleines Detail erscheint, ist für viele der Unterschied zwischen Zugang und Ausschluss.
Erste Schritte
Mit wachsendem Verständnis wuchs auch meine Motivation, das, was ich gelernt hatte, zu teilen. In dem Unternehmen, in dem ich arbeitete, begann ich, mich für Barrierefreiheit einzusetzen und das Thema mehr sichtbar zu machen sowie das Bewusstsein unter meinen Kolleginnen und Kollegen und in unseren Teams zu schärfen.
Ich engagierte mich dafür, das Interesse meiner Kolleginnen und Kollegen zu wecken, indem ich kleine Initiativen organisierte, Erkenntnisse teilte und andere ermutigte, Barrierefreiheit in ihre Design- und Entwicklungsarbeit einzubeziehen. Das Thema war nicht immer populär, aber das Interesse wuchs, besonders als neue Barrierefreiheits-Vorschriften in der EU bestimmte Standards verpflichtend machten. Dieser Wandel bedeutete, dass viele Teams Barrierefreiheit nicht mehr ignorieren konnten. Sie mussten beginnen, sie als einen unverzichtbaren Bestandteil ihrer Design- und Entwicklungsarbeit zu betrachten.
Öffentliche Rednerin auf UX-Konferenz
Ein Höhepunkt meiner Reise war 2024, als ich die Chance hatte, auf der PushUX in München zu sprechen. Zusammen mit einer ehemaligen Kollegin hielt ich einen Vortrag über Barrierefreiheit in der Datenvisualisierung – ein Thema, das ich für äußerst wichtig halte, da Datenvisualisierungen überall sind und sie für alle verständlich und zugänglich sein sollten.
Diese Erfahrung war wirklich überwältigend. Ich war froh zu sehen, wie die Teilnehmer – sowohl Designer als auch Entwickler – das Thema aufgriffen und wie aktiv sie sich während der Sitzung einbrachten. Die Diskussion mit Menschen mit verschiedenen Hintergründen und unterschiedlichen Erfahrungslevels zu diesem Thema war sehr erhellend.
Andererseits war es auch ein persönlicher Meilenstein für mich, da es meine erste Erfahrung als öffentliche Rednerin war. Ich bin stolz darauf, dass mein erster Vortrag mir die Möglichkeit gab, für etwas zu werben, an das ich zutiefst glaube.
Drei Lektionen aus meiner ersten Erfahrung als Rednerin
- Austausch ist wichtiger als Präsentation. Auch wenn wir mit einer gut vorbereiteten Präsentation begannen, war der beste Teil des Vortrags die Q&A-Runde, da sie einen echten Austausch mit dem Publikum ermöglichte.
- Du musst kein ausgewiesener Experte sein, um Werte zu teilen. Es dauerte eine Weile, aber eines der ermächtigendsten Dinge, die ich gelernt habe, ist, dass du keine jahrzehntelange Erfahrung brauchst, um öffentlich zu sprechen. Die Menschen sind oft mehr an deiner persönlichen Reise, praktischen Erkenntnissen oder frischen Perspektiven interessiert. Deine Geschichte könnte genau das sein, was jemand anderes hören muss.
- Authentizität schlägt Perfektion. Auch wenn ich mich nicht zu 100% bereit fühlte, war es das Teilen ehrlicher Erfahrungen, was den größten Einfluss hatte. Authentisch zu sein ermöglichte mir eine tiefere Verbindung zu meinem Publikum. Menschen schätzen echte Geschichten, und Authentizität hilft, echte Verbindungen aufzubauen: Jeder kann sich mit Verletzlichkeit und Wachstum identifizieren.
Fazit
Obwohl ich noch viel zu lernen und zu entdecken habe, bin ich mit meiner Reise in die Barrierefreiheit bisher zufrieden und stolz darauf, mit dem Wissen und der Erfahrung, die ich aufgebaut habe, einen Beitrag leisten zu können. Ich hoffe, weiterhin zu lernen, zu teilen und auf eine Weise zu gestalten, die mehr Menschen einbezieht und stärkt.
Ich weiß, dass es anfangs überwältigend erscheinen kann, aber Schritt für Schritt wird Barrierefreiheit zu einem natürlichen Teil des Designprozesses.
Drei Dinge, die ich jedem jungen Designer mit auf den Weg geben würde
- Besondere Expertise ist nicht notwendig, um einen Unterschied zu machen… jede noch so kleine Anstrengung zählt.
- Barrierefreiheit in den Designprozess zu integrieren, egal wie klein der Schritt ist, trägt dazu bei, inklusivere und benutzerfreundlichere Produkte zu schaffen, die das Potenzial haben, einen bedeutenden Einfluss zu haben.
- Habe Spaß und genieße die Reise!
